Vor 66 Jahren erschien im Fachjournal Science eine wissenschaftliche Arbeit mit einem ungewöhnlichen Titel: „Doomsday: Friday, 13 November, A.D. 2026“. Acht Tage vor dem genannten Termin lohnt ein Blick auf die Originalveröffentlichung – und darauf, was die drei Autoren wirklich berechneten.
Am Freitag, dem 13. November 2026, soll die Menschheit rechnerisch an ihr Ende kommen. Zumindest dann, wenn ein mathematisches Modell aus dem Jahr 1960 bis heute unverändert gültig geblieben wäre.
Die Geschichte klingt wie ein Internet-Gerücht. Doch der wissenschaftliche Artikel existiert tatsächlich. Am 4. November 1960 veröffentlichten Heinz von Foerster, Patricia M. Mora und Lawrence W. Amiot ihre Untersuchung im Fachjournal Science, Band 132, Seiten 1291 bis 1295.
Wie kamen die Forscher auf 2026?
Die drei Wissenschaftler untersuchten historische Schätzungen zur Entwicklung der Weltbevölkerung über rund 2.000 Jahre. Dabei fiel ihnen auf, dass die Menschheit in diesen Daten nicht einfach exponentiell gewachsen war: Die Wachstumsgeschwindigkeit hatte sich selbst erhöht.
Sie beschrieben die historische Entwicklung mit einer mathematischen Funktion, deren Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt gegen unendlich strebt. Das war keine Vorhersage einer tatsächlichen unendlichen Menschenmenge, sondern die Konsequenz einer ungebremsten Fortsetzung des damaligen Trends.
Der rechnerische Grenzwert lag bei 2026,87 mit einer Unsicherheit von etwa 5,5 Jahren. Aus diesem Ergebnis wurde die zugespitzte Überschrift: Freitag, der 13. November 2026.
Die Menschheit würde „zu Tode gequetscht“
Die Autoren formulierten das Ergebnis mit schwarzem Humor: Ihre Nachkommen würden nicht verhungern, sondern durch die schiere Zahl der Menschen erdrückt werden. Doch im Text geht es um mehr als um einen makabren Satz.
Die Forscher befassten sich auch mit Möglichkeiten, Geburtenraten und damit das Wachstum zu beeinflussen. Ihre Rechnung demonstrierte die Grenzen einer unkritischen Fortschreibung historischer Trends.
Warum die Welt am 13. November nicht untergeht
Die zentrale Voraussetzung des Modells hat sich nicht erfüllt. Das weltweite Bevölkerungswachstum hat sich über Jahrzehnte verlangsamt, insbesondere durch sinkende Geburtenraten.
Nach den UN-Bevölkerungsprognosen von 2024 dürfte die Weltbevölkerung Mitte der 2080er-Jahre ihren Höchststand bei rund 10,3 Milliarden Menschen erreichen und anschließend langsam zurückgehen.
Von der mathematischen Singularität ist die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung also weit entfernt.
Was an der Geschichte bemerkenswert ist
Ein mathematisches Modell kann historische Daten gut beschreiben und dennoch als langfristige Vorhersage scheitern. Genau deshalb ist der Aufsatz von 1960 interessant.
Die Wissenschaftler sagten keine übernatürliche Katastrophe voraus. Sie zeigten, zu welchem absurden Ergebnis die unbegrenzte Fortsetzung einer bestimmten Entwicklung führen würde – und machten die Bedingungen bereits im Untertitel deutlich.
Eine historische Pointe: Der 13. November 2026 wäre auch Heinz von Foersters 115. Geburtstag gewesen.
Mit einer Sache wird der Titel jedenfalls recht behalten: Der 13. November 2026 fällt auf einen Freitag.
Originalquelle: Heinz von Foerster, Patricia M. Mora und Lawrence W. Amiot: Doomsday: Friday, 13 November, A.D. 2026, Science, 4. November 1960, Band 132, S. 1291–1295.
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