Nvidia und Microsoft haben auf der Computex 2026 ihre bislang wohl wichtigste gemeinsame PC-Initiative vorgestellt. Mit RTX Spark präsentieren die Unternehmen eine neue Windows-Plattform, die nicht mehr nur Anwendungen ausführen, sondern als persönlicher KI-Assistent arbeiten soll.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die reine Hardwareleistung. Nvidia beschreibt RTX Spark als Beginn einer neuen Computer-Generation, bei der Nutzer Aufgaben nicht mehr selbst erledigen, sondern an lokale KI-Agenten delegieren.
Vom Werkzeug zum digitalen Teamkollegen
„Der PC wird neu erfunden“, erklärte Nvidia-Chef Jensen Huang während der Vorstellung der neuen Plattform.
Vier Jahrzehnte lang hätten Nutzer Programme geöffnet, geklickt und Eingaben gemacht. RTX Spark soll dieses Modell verändern. Statt Anwendungen zu starten, sollen Anwender künftig Aufgaben formulieren. Der Computer erledigt die Arbeit anschließend selbstständig.
Nvidia spricht dabei ausdrücklich von einem Wandel vom Werkzeug zum Teamkollegen. Lokale KI-Agenten sollen künftig Aufgaben ausführen, Dateien durchsuchen, Anwendungen bedienen und Arbeitsabläufe automatisieren.
Bis zu 128 GB Speicher für lokale KI-Agenten
Herzstück der Plattform ist der neue RTX-Spark-Superchip. Er kombiniert eine gemeinsam mit MediaTek entwickelte 20-Kern-CPU mit einer Blackwell-GPU, die über 6.144 CUDA-Kerne verfügt.
Hinzu kommen bis zu 128 GB Unified Memory und eine KI-Leistung von bis zu einem PetaFLOP. Laut Nvidia können damit große KI-Modelle mit bis zu 120 Milliarden Parametern direkt auf dem eigenen Gerät ausgeführt werden.
Auch besonders große Kontextfenster von bis zu einer Million Tokens sollen lokal verarbeitet werden können. Damit richtet sich RTX Spark nicht nur an Entwickler, sondern auch an Kreativschaffende und professionelle Anwender.
Microsoft integriert Agenten direkt in Windows
Besonders bemerkenswert ist die enge Zusammenarbeit mit Microsoft. Beide Unternehmen entwickeln neue Sicherheitsmechanismen für Windows, damit KI-Agenten direkt auf dem lokalen System arbeiten können.
Die Agenten sollen künftig Programme steuern, Aufgabenketten über mehrere Anwendungen hinweg ausführen, lokale Dateien durchsuchen, Bilder erzeugen, Videos generieren und sogar Software entwickeln können.
Ergänzt wird die Plattform durch Nvidia OpenShell. Das System soll Nutzern ermöglichen festzulegen, welche Aktionen Agenten durchführen dürfen und welche Daten das Gerät verlassen dürfen.
Adobe baut Photoshop und Premiere um
Auch Adobe zählt zu den wichtigsten Partnern des Projekts. Nach Angaben der Unternehmen werden Photoshop und Premiere speziell für RTX Spark angepasst.
Die Programme sollen die Unified-Memory-Architektur sowie die Blackwell-GPU deutlich stärker nutzen. Nvidia spricht von bis zu doppelt so hoher Leistung bei KI-Funktionen, Videobearbeitung, Farbkorrekturen und Effekten.
Darüber hinaus sollen kreative Anwendungen künftig direkt mit KI-Agenten zusammenarbeiten können, um wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren.
Gaming bleibt ein wichtiger Bestandteil
Trotz des starken KI-Fokus richtet sich RTX Spark weiterhin an Spieler. Nvidia verspricht AAA-Spiele in 1440p-Auflösung mit mehr als 100 Bildern pro Sekunde.
Unterstützt werden moderne RTX-Technologien wie Raytracing, DLSS, Reflex und G-Sync. Nach Angaben des Unternehmens sind bereits mehr als 1.000 Spiele und Anwendungen mit der Plattform kompatibel.
Zusätzlich wurde DLSS 4.5 Ray Reconstruction angekündigt, das später auch auf RTX-Spark-Systemen verfügbar sein soll.
Surface Laptop Ultra als Signal für die Zukunft
Zu den ersten angekündigten Geräten zählen Modelle von ASUS, Dell, HP, Lenovo, MSI und Microsoft.
Besonders interessant ist der neue Surface Laptop Ultra von Microsoft. Dass Microsoft sein eigenes Premium-Gerät direkt mit RTX Spark auf den Markt bringt, dürfte als deutliches Signal verstanden werden, welche Rolle die Plattform künftig innerhalb des Windows-Ökosystems spielen soll.
Die Geräte sollen im Herbst 2026 erscheinen. Nvidia kündigte sowohl besonders schlanke Notebooks mit langer Akkulaufzeit als auch kompakte Desktop-PCs auf Basis von RTX Spark an.
Fazit
RTX Spark ist deutlich mehr als ein neuer Prozessor. Nvidia und Microsoft versuchen, das klassische PC-Konzept grundlegend zu verändern.
Statt Anwendungen manuell zu bedienen, sollen persönliche KI-Agenten künftig Aufgaben direkt auf dem Gerät übernehmen. Die Hardware dient dabei als Grundlage für eine neue Art der Interaktion mit dem Computer.
Ob diese Vision aufgeht, wird sich erst mit den ersten Geräten im Herbst zeigen. Klar ist jedoch bereits jetzt: RTX Spark gehört zu den ambitioniertesten PC-Projekten der vergangenen Jahre und könnte den Windows-PC nachhaltig verändern.