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FrankenSonos: Open Source gibt alten Sonos-Lautsprechern neue Möglichkeiten

FrankenSonos: Open Source gibt alten Sonos-Lautsprechern neue Möglichkeiten
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Ein Sonos Play:5 kann auch nach vielen Jahren noch hervorragend klingen. Die Lautsprechertechnik muss nicht veraltet sein, nur weil die Softwaregeneration nicht mehr zur aktuellen Produktlinie gehört. Das Open-Source-Projekt FrankenSonos setzt genau an diesem Punkt an: Es will alte und neue Sonos-Systeme von einer gemeinsamen, selbst kontrollierten Oberfläche aus bedienen – und erlaubt sogar die Steuerung durch KI-Agenten.

Die entscheidende Einschränkung vorweg: FrankenSonos ist derzeit ein externer Controller und keine alternative Lautsprecher-Firmware. Das Projekt verändert die Software auf den Sonos-Geräten nicht. Weitergehende Ideen für einen vollständigen Firmware-Ersatz sind technisch interessant, aber nicht mit einer heute verfügbaren Funktion zu verwechseln.

Warum Sonos S1 und S2 überhaupt getrennt sind

Sonos betreibt mit S1 und S2 zwei Softwarewelten. Ältere Geräte wie der Play:5 der ersten Generation verbleiben im S1-System; neuere Produkte verwenden je nach Modell die neuere Softwaregeneration. Dadurch entstehen für Haushalte mit gemischtem Gerätebestand Einschränkungen bei der gemeinsamen Bedienung und Gruppierung. Die Lautsprecher selbst sind deshalb aber nicht zwangsläufig defekt oder akustisch überholt.

FrankenSonos führt beide Gerätewelten in einem Steuerungsprogramm zusammen. Das ist ein wichtiger Unterschied zur vollständigen Zusammenlegung: Ein S1-Lautsprecher kann damit nicht plötzlich synchron in derselben Sonos-Wiedergabegruppe wie ein S2-Lautsprecher laufen. Das GitHub-Projekt beschreibt diese Grenze ausdrücklich. Aktionen werden stattdessen dem jeweils richtigen Haushalt zugeordnet.

Rust statt einer weiteren Fernbedienungs-App

Hinter dem GitHub-Namen Dicklesworthstone steht der New Yorker Entwickler Jeffrey Emanuel (@doodlestein auf X). Der ehemalige Quant-Investor entwickelt zahlreiche Open-Source-Werkzeuge, insbesondere in Rust und für KI-Agenten. FrankenSonos entstand aus seiner eigenen Unzufriedenheit mit der Sonos-Software: In einem X-Beitrag vom 7. Oktober 2026 erklärte er, dass ihn wiederholte Probleme mit seinen Lautsprechern zur Entwicklung eines eigenen Controllers motiviert hätten. Er betreibt selbst ältere S1- und neuere S2-Geräte und möchte beide Generationen einheitlich steuern. Sein X-Profil verlinkt auch auf seine GitHub-Projekte. Emanuel schreibt FrankenSonos in Rust. Die Anwendung läuft auf einem separaten Rechner im lokalen Netz und spricht über die vorhandenen Sonos-Schnittstellen mit den Lautsprechern. Dazu gehören SSDP zur Erkennung, UPnP/SOAP zur Steuerung und GENA zur Übermittlung von Zustandsänderungen.

Die Software bietet eine Kommandozeile, eine HTTP-API, eine Web-Fernbedienung und einen MCP-Server (Model Context Protocol). Damit können auch KI-Assistenten Befehle ausführen: Musik starten, Räume auswählen, Lautstärken ändern, Gruppen verwalten oder Szenen und Zeitpläne verwenden. Für automatisierte Zugriffe sieht die Architektur Schutzregeln wie Lautstärkebegrenzungen und Ruhezeiten vor.

Auch ein Spotify-basierter DJ gehört zum Funktionsumfang. Er nutzt die Bibliothek und die Vorlieben des Nutzers, um Titel auszuwählen. Die eigentliche Wiedergabe erfolgt weiterhin über die bestehende Spotify-Integration von Sonos. Ein mit Spotify verbundenes Sonos-System bleibt dafür Voraussetzung.

Fernsteuerung über Tailscale

Ein weiterer Baustein ist Tailscale. Läuft der FrankenSonos-Dienst auf einem Rechner im heimischen Netz, kann er über ein entsprechend eingerichtetes Tailnet von außerhalb erreicht werden. Die Lautsprecher müssen dafür nicht selbst ins öffentliche Internet geöffnet werden. Das ist insbesondere für Automatisierungen und Agenten interessant, die nicht auf demselben Rechner wie die Sonos-Geräte laufen.

Was funktioniert bereits – und was ist noch Zukunftsmusik?

Nach Angaben im Repository wurden zentrale Funktionen in einer Simulation sowie in einem realen Haushalt mit S1- und S2-Geräten getestet. Dazu zählen Erkennung, Gruppierung innerhalb der jeweiligen Softwarewelt, Lautstärkeregelung, Favoriten, Spotify-Wiedergabe und Durchsagen. Eine kontinuierliche Testumgebung mit echter Hardware gibt es laut README noch nicht. FrankenSonos befindet sich vor Version 0.1.0; vorgefertigte Veröffentlichungs-Binaries werden noch nicht als reguläre Installation angeboten.

In einer weitergehenden technischen Vision wird sogar eine schlanke Ersatz-Firmware für historische Sonos-Hardware diskutiert. Dabei geht es um den Austausch proprietärer Dienste, eigene Audio-Puffer und zusätzliche Protokolle. Für einen solchen Schritt wären jedoch deutlich mehr Nachweise erforderlich: gerätespezifische Treiber, Audio-Decodierung, Synchronisation, sicherer Start und langfristige Stabilität. Behauptungen über minimale RAM-Verbräuche, AirPlay 2 auf jedem Altgerät oder eine ausfallsichere Wiedergabe sind bislang keine nachgewiesenen Eigenschaften der veröffentlichten Anwendung.

Was Besitzer eines Play:5 davon haben

Wer mit seinem Play:5 zufrieden ist, braucht nicht sofort einen alternativen Controller. Der praktische Nutzen von FrankenSonos wächst vor allem dann, wenn mehrere Lautsprecher-Generationen im Haus stehen, eine Steuerung in eigene Automatisierungen eingebunden werden soll oder KI-Agenten das Audiosystem bedienen sollen.

Für technisch versierte Nutzer gibt es den Quellcode auf GitHub. Die Anwendung muss derzeit selbst kompiliert werden. Auf den Lautsprechern wird dafür nichts geflasht. Wer einfach nur zuverlässig Musik hören möchte, sollte den Pre-Release-Status berücksichtigen und ein funktionierendes System nicht allein wegen eines Zukunftsversprechens umbauen.

Das größere Thema ist die Lebensdauer der Hardware

FrankenSonos zeigt, wie viel Spielraum vorhandene lokale Schnittstellen eröffnen können. Ein Lautsprecher mit funktionierenden Verstärkern, Treibern und Gehäuse ist nicht automatisch Elektroschrott, wenn die Softwarepflege ins Stocken gerät. Gleichzeitig zeigt das Projekt auch die Grenze solcher Lösungen: Externe Steuerung kann Funktionen ergänzen, ersetzt aber keine fehlende Firmware-Unterstützung und hebt technische Generationsgrenzen nicht einfach auf.

Ob aus den Firmware-Ideen eines Tages ein belastbarer Ersatz für die Sonos-Software wird, bleibt offen. Schon die heutige Arbeit am offenen Controller ist aber ein Beispiel dafür, wie sich langlebige Hardware mit offenen Werkzeugen besser in eigene Systeme integrieren lässt.

Quelle und Projektstand: FrankenSonos – GitHub-Repository und README, abgerufen am 4. November 2026. Funktions- und Testangaben stammen, soweit nicht anders erläutert, aus der Projektdokumentation.

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Über den Autor

Jens Könnig

Jens analysiert seit Jahren digitale Märkte, Preisbewegungen und Plattform-Strategien. Als Betreiber mehrerer datengetriebener Systeme wertet er täglich große Mengen an Produkt- und Trenddaten aus. Sein Fokus liegt auf Einordnung statt Hype: Was bedeutet eine Entwicklung wirklich für Nutzer, Preise und Märkte?

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