Mehr als ein Jahrzehnt lang sollte die Internationale Computerspielesammlung (ICS) zum zentralen Archiv für Computer- und Videospiele in Deutschland werden. Nach dem Auslaufen der öffentlichen Förderung wird das Projekt nun jedoch nicht weitergeführt. Zwar bleiben die mehr als 60.000 Spiele erhalten, doch die Zukunft der gemeinsamen Datenbank und der aufgebauten Infrastruktur ist offen.
Ein Archiv für das digitale Kulturerbe
Die Internationale Computerspielesammlung wurde 2012 ins Leben gerufen, um Computer- und Videospiele langfristig als Kulturgut zu bewahren. Beteiligt sind unter anderem die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), das Computerspielemuseum Berlin, der game – Verband der deutschen Games-Branche, die Stiftung Digitale Spielekultur sowie das Zentrum für Computerspielforschung der Universität Potsdam.
Zum Bestand gehören mehr als 60.000 Computer- und Videospiele auf Modulen, Disketten, CDs, DVDs und Blu-ray-Discs. Ergänzt wird die Sammlung durch Verpackungen, Handbücher, Werbematerialien sowie historische Konsolen und Computerhardware.
Im Gegensatz zu einem klassischen Museum sollte die ICS die Bestände der verschiedenen Einrichtungen digital zusammenführen, wissenschaftlich erschließen und langfristig dokumentieren. Bereits 2019 ging eine öffentliche Online-Datenbank mit Zehntausenden Einträgen an den Start.
1,5 Millionen Euro Förderung reichen nicht aus
Für den weiteren Aufbau wurde 2023 eine gemeinnützige GmbH gegründet. Der Berliner Senat und der damalige Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien stellten dafür rund 1,5 Millionen Euro öffentliche Fördermittel bereit. Mit dem Ende dieser Projektphase im April 2026 sollte die Sammlung dauerhaft institutionell finanziert werden.
Genau daran scheiterte das Vorhaben. Nach Angaben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) wurde ein Konzept für eine dauerhafte Finanzierung geprüft, letztlich jedoch als wirtschaftlich nicht tragfähig bewertet. Auch das Land Berlin sieht sich für eine dauerhafte Finanzierung nicht zuständig.
Die Gesellschafter beschlossen deshalb einstimmig, die Internationale Computerspielesammlung unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht weiterzuverfolgen.
Die Spiele bleiben – die Zukunft der Datenbank ist offen
Mit dem Ende des Projekts verschwindet die Sammlung nicht. Die physischen Bestände verbleiben weiterhin bei ihren jeweiligen Eigentümern, darunter die Archive der USK und des Computerspielemuseums Berlin.
Unklar ist dagegen, wie es mit der gemeinsamen Datenbank, der technischen Infrastruktur und den organisatorischen Vorarbeiten weitergeht. Nach Angaben der Beteiligten werden derzeit rechtliche und technische Fragen geprüft.
Warum das Thema über Deutschland hinaus wichtig ist
Die Einstellung der ICS zeigt ein grundsätzliches Problem der digitalen Archivierung. Während Bücher, Filme oder Kunstwerke seit Jahrzehnten systematisch bewahrt werden, geraten Videospiele zunehmend unter Druck. Viele ältere Titel sind heute nicht mehr regulär erhältlich, digitale Stores werden geschlossen und immer mehr Spiele erscheinen ausschließlich digital.
Damit wächst die Bedeutung öffentlicher Archive. Sie dienen nicht nur der Bewahrung historischer Datenträger, sondern dokumentieren auch Handbücher, Verpackungen, Hardware und technische Zusammenhänge, die für Forschung, Medien und Kulturgeschichte von Bedeutung sind.
Auch wenn die mehr als 60.000 Spiele nicht verloren gehen, verliert Deutschland mit dem Ende der Internationalen Computerspielesammlung vorerst eines der ambitioniertesten Projekte zur langfristigen Bewahrung digitaler Spielekultur.
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