KI-Agenten sollen Rechnungen prüfen, Aufträge bearbeiten und Kundenanfragen beantworten. Xentral macht solche Abläufe im ERP verfügbar – ab Januar 2027 werden sie jedoch nach Credits abgerechnet. Ein Beispiel von einer Händlerveranstaltung: rund 50 Cent für eine Rechnungsverarbeitung. Wie wirtschaftlich ist das, und welche Alternativen bieten eigene KI-Tools?
Führungswechsel bei Xentral – und der Fokus auf KI
Parallel zur KI-Offensive steht Xentral wegen eines Führungswechsels im Blickpunkt. Wortfilter berichtete am 4. November 2026, dass Mitgründer Benedikt Sauter den CEO-Posten abgegeben hat. Domenico Cipolla führt das Unternehmen nun allein. Gegenüber Wortfilter erklärte Sauter, er sei weiterhin dabei, beschäftige sich intensiv mit KI und Xentral sei inzwischen cashflow-positiv.
Wortfilter nennt für 2024 einen Umsatz von rund 14,5 Millionen Euro und einen Jahresfehlbetrag von 9,4 Millionen Euro. Der jüngere Cashflow-Status ist damit nicht unabhängig belegt. Auch ein Zusammenhang zwischen Führungswechsel und neuer KI-Bepreisung ist nicht nachgewiesen. Fest steht aber: KI soll für Xentral eine wichtigere Rolle im Produkt spielen.
Verschiedene Agenten, ein Credit-Modell
Im Agent Hub bietet Xentral mehrere spezialisierte KI-Agenten an – etwa für Rechnungen, Kundenservice, Auftragserfassung, Retouren und Zahlungsavise. Sie greifen auf ERP-Daten und vorhandene Prozesse zu und bereiten Vorgänge zur Freigabe vor. Daneben gibt es einen Co-Pilot für Abfragen von Unternehmensdaten.
Die offizielle Preisseite bestätigt: Bis zum 31. Dezember 2026 kostet die KI-Nutzung nicht zusätzlich. Ab Januar 2027 wird nach Credits abgerechnet. Service-Pakete enthalten ein monatliches Kontingent; weitere Credits können paketweise ab 50 Euro gekauft werden.
Nach Informationen von einer Xentral-Händlerveranstaltung sollen für die Verarbeitung einer Eingangsrechnung beispielhaft 100 Credits anfallen, was rund 0,50 Euro pro Vorgang entspräche. Andere Agenten verbrauchen ebenfalls Credits. Wie viele Credits jeder Agent beziehungsweise ein komplexer Ablauf benötigt, lässt sich anhand der öffentlichen Angaben nicht vollständig verifizieren. Die Beispielangabe ist daher kein bestätigter allgemeiner Tarif.
Was 50 Cent pro Rechnung bedeuten
| Rechnungen pro Monat | Rechnerischer Wert bei 0,50 € |
| 100 | 50 € |
| 500 | 250 € |
| 1.000 | 500 € |
| 5.000 | 2.500 € |
Modellrechnung vor Abzug von monatlich enthaltenen Credits. Sie ist nicht mit den tatsächlichen zusätzlichen Rechnungsbeträgen gleichzusetzen.
50 Cent können gut investiert sein, wenn ein Agent eine Rechnung ausliest, gegen die Bestellung prüft, Abweichungen erkennt und eine richtige Vorkontierung zur Freigabe vorbereitet. Der eingesparte Arbeitsaufwand kann den Preis deutlich übersteigen. Aber eine vorbereitete Buchung ist noch keine garantiert fehlerfrei abgeschlossene Buchung. Rückfragen, Freigaben und Ausnahmefälle bleiben Teil des Prozesses.
Gemini Vision: KI-Verarbeitung für weniger als einen Cent
Wie günstig die reine Modellverarbeitung sein kann, zeigt ein Praxisbeispiel aus einem individuell entwickelten Rechnungsprüfungstool. Dort analysiert Gemini Vision Rechnungsdokumente; die berichteten KI-Modellkosten liegen unter 0,01 Euro je Rechnung. Das ist mehr als Faktor 50 unter dem genannten Xentral-Beispielpreis.
Beide Beträge messen jedoch unterschiedliche Leistungen: hier die Modellkosten eines eigenen Prüftools, dort den Preis eines ins ERP integrierten Agentenvorgangs. Eigene Lösungen benötigen Entwicklung, Geschäftsregeln, Zugriffssteuerung, Schnittstellen, Protokollierung, Wartung und Fehlerbehandlung. Außerdem darf eine reine Rechnungsprüfung nicht mit vollständiger Kontierung und Verbuchung gleichgesetzt werden. Aus dem Preisabstand lässt sich deshalb keine Xentral-Gewinnmarge ableiten.
Wenn aus Softwarekosten Vorgangskosten werden
Das Geschäftsmodell ist größer als eine Buchungsfunktion: Unternehmen zahlen für ihr ERP und künftig zusätzlich – nach Verbrauch des Inklusivkontingents – für KI-Arbeitsschritte. Je mehr unterschiedliche Agenten einen Geschäftsfall bearbeiten, desto wichtiger wird eine nachvollziehbare Gesamtkostenrechnung.
Interessant ist daher weniger der Preis eines einzelnen Aufrufs als die Frage: Was kostet ein vollständig erledigter Geschäftsfall einschließlich Wiederholungen, Prüfungen und menschlicher Freigaben? Gerade bei hohen Stückzahlen müssen Unternehmen wissen, ob erfolglose Versuche oder mehrstufige Abläufe zusätzlich Credits verbrauchen.
Die MCP-Öffnung hat Grenzen
Xentral bietet auch einen MCP-Server. Damit können externe Systeme wie ChatGPT oder Claude unter Beachtung der Berechtigungen ausgewählte ERP-Daten lesen und auswerten. Das eröffnet Möglichkeiten für eigene Analysen und KI-Workflows.
Doch laut Xentral sind das Anlegen und Ändern von ERP-Datensätzen über diesen MCP-Zugang derzeit noch nicht verfügbar. Auf seiner Preisseite stellt Xentral klar, dass schreibende Vorgänge über den Agent Hub laufen. Eine offene MCP-Verbindung bedeutet also nicht, dass sich jeder kostenpflichtige Agentenvorgang sofort durch einen eigenen externen Agenten ersetzen lässt. Klassische API-Integrationen sind gesondert zu prüfen.
Worauf Unternehmen bei KI-Agenten achten sollten
- Leistungsumfang: Wird nur ausgelesen, geprüft, vorkontiert oder tatsächlich gebucht?
- Verbrauch: Wie viele Credits kostet der gesamte Vorgang, auch bei Fehlern und Wiederholungen?
- Inklusivvolumen: Welches Kontingent ist im bestehenden Vertrag bereits bezahlt?
- Alternativen: Was kosten eigene KI-Modelle plus Entwicklung und Betrieb über die gesamte Laufzeit?
- Kontrolle: Lassen sich eigene Workflows integrieren, ohne ungewollte Abhängigkeiten aufzubauen?
Fazit: Nicht der KI-Aufruf ist entscheidend, sondern die erledigte Arbeit
Xentral zeigt, wie sich ERP-Software weiterentwickelt: Agenten übernehmen Routineaufgaben, und diese Arbeit bekommt einen verbrauchsabhängigen Preis. Das kann sich für Unternehmen rechnen – selbst bei 50 Cent pro Rechnungsverarbeitung. Ein zuverlässiger integrierter Prozess ist mehr wert als ein isolierter günstiger Modellaufruf.
Gleichzeitig lassen sich einzelne Aufgaben mit heutigen KI-Modellen zu überraschend geringen technischen Kosten automatisieren. Unternehmen sollten daher die Leistung und die Gesamtkosten vergleichen, statt allein auf „KI inklusive“ oder einen günstigen Credit-Preis zu achten. Die strategische Frage lautet: Bleiben KI-Agenten im ERP ein frei kombinierbares Werkzeug – oder entsteht eine neue Abhängigkeit mit einer Rechnung für jeden automatisierten Arbeitsschritt?
Quellen und Transparenz
Transparenz: 100 Credits und rund 0,50 Euro für eine Rechnungsverarbeitung sind Angaben aus einer Xentral-Händlerveranstaltung, nicht ein öffentlich bestätigter Einheitstarif. Die Gemini-Kosten stammen aus einem Praxisprojekt und sind kein unabhängiger Leistungsvergleich. Das Headerbild ist eine KI-generierte redaktionelle Illustration, kein Screenshot der Xentral-Oberfläche.
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