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Spring Ring: Teams-Vishing zielt auf Windows-Domänen

Spring Ring: Teams-Vishing zielt auf Windows-Domänen
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Eine von Palo Alto Networks untersuchte Angriffskampagne hat Microsoft Teams als Ausgangspunkt für Voice-Phishing gegen Unternehmen genutzt. Zwischen Januar und April 2026 kontaktierten die Angreifer mehr als 150 Beschäftigte in mindestens zehn Unternehmen verschiedener Branchen. Sie traten über externe Teams-Konten als interner IT-Support auf und versuchten, ihre Opfer zur Ausführung von Fernwartungssoftware oder eigens präparierter Malware zu bewegen.

In der von Unit 42 als Spring Ring bezeichneten Operation endete der Angriff nicht bei gestohlenen Zugangsdaten. In einer fortgeschrittenen Variante versuchten die Täter, über PetitPotam eine NTLM-Authentifizierung des Domain Controllers zu erzwingen und weiterzuleiten. Der Versuch einer Domänenübernahme wurde nach Angaben der Forscher gestoppt.

Entscheidend für die Bewertung ist: Spring Ring nutzte keine neu entdeckte Sicherheitslücke in Microsoft Teams. Der Angriff benötigte die Mitwirkung eines Beschäftigten. Teams stellte den glaubwürdig wirkenden Kommunikationskanal bereit; die eigentliche technische Eskalation erfolgte anschließend auf dem Windows-Endgerät und innerhalb der Domäneninfrastruktur.

Kein Teams-Exploit, sondern ein Angriff auf den Supportprozess

Die Angreifer eröffneten Chats aus externen .onmicrosoft.com-Tenants. Deren Namen sollten wie Teile einer Unternehmens- oder IT-Infrastruktur wirken. Unit 42 nennt Konstruktionen mit Begriffen wie „InternalSystems“, „ITProtectionDepartment“, „MandatoryNetworkMonitoring“ oder „CertifiedUpdateNetwork“. Als Anzeigenamen dienten Rollen wie „help desk“, „IT assistance“ und „support staff“. Teilweise verwendeten die Täter Namen realer Beschäftigter der jeweiligen Branche, ohne dass deren Konten nachweislich kompromittiert waren.

Nach der Chatanfrage folgte kurzfristig ein Sprachanruf. Viele Anrufversuche dauerten nur Sekunden oder wurden nicht angenommen. Erfolgreiche Gespräche liefen typischerweise zehn bis 15 Minuten. Teilweise hinterließen die Angreifer Sprachnachrichten oder kontaktierten mit einer Identität innerhalb weniger Minuten fünf bis sechs Personen.

Die externe Kommunikation war in Teams als solche erkennbar. Dennoch verschob der Anruf die Situation aus dem vertrauten Muster einer verdächtigen E-Mail in einen vermeintlichen Supportvorgang. Ein angeblicher Techniker konnte auf Einwände reagieren, Dringlichkeit erzeugen und die einzelnen Schritte mündlich erklären. Die seit Ende 2025 ausgerollte Funktion „Chat with Anyone“ erweiterte dabei die Möglichkeit, Nutzer über externe Adressen direkt anzusprechen.

Zwei Wege vom Anruf zum Zugriff

Unit 42 beobachtete zwei unterschiedliche technische Angriffsketten. In Kampagne A sollten die Opfer zunächst legitime Werkzeuge starten: die in Windows integrierte Fernhilfe Quick Assist oder andere Remote-Monitoring-and-Management-Software. Nach erteilter Fernsteuerung führten die Angreifer Befehle wie whoami /groups und net group /dom aus, um Benutzer-, Gruppen- und Domäneninformationen zu erfassen.

Die zwei beobachteten Angriffspfade von Spring Ring
Zwei Angriffspfade nach dem Teams-Anruf Externe Teams-Identität gibt sich als IT-Support aus Unaufgeforderter Vishing-Anruf Kampagne A: RMM / Quick Assist Fernsteuerung und Systemabfrage Obfuskierter PowerShell-RAT Kampagne B: Angepasste EXE Edge, Python und SMB-Scanning PetitPotam / NTLM-Relay versucht Beide beobachteten Angriffsketten wurden vor dem Endziel gestoppt
Die Grafik zeigt den gemeinsamen Einstieg über einen externen Teams-Kontakt und einen Vishing-Anruf sowie die anschließende Aufteilung in einen RMM- und PowerShell-Pfad und einen auf PetitPotam und NTLM-Relay zielenden Pfad.

Anschließend luden sie über PowerShell einen verschleierten Remote Access Trojaner von der kontrollierten Domain san-sid.com. Der entschlüsselte Kern bestand laut Unit 42 aus einem kurzen Command-and-Control-Stager. Er setzte die Variable amsiInitFailed, um die Antimalware Scan Interface zu umgehen, prüfte den Bypass und kontaktierte danach die Infrastruktur der Angreifer, um weitere Nutzlasten abzurufen. Cortex XDR blockierte die Ausführung in der beobachteten Kampagne.

Kampagne B war stärker auf einzelne Ziele zugeschnitten. Links und Dateinamen enthielten den Namen des Unternehmens und des angesprochenen Beschäftigten. Die ausführbare Datei wurde aus einem entsprechend benannten S3-Endpunkt geladen, kopierte sich in ein temporäres Verzeichnis und erzeugte weitere Dateien zur Persistenz. Danach startete sie Microsoft Edge unsichtbar im Headless-Modus und lud eine Erweiterung seitlich in den Browser.

Über eine mitgebrachte Python-Umgebung folgten Scans nach internen Servern auf SMB-Port 445 und NTLM-Verkehr zum Domain Controller. Schließlich versuchten die Angreifer mit PetitPotam, den Domain Controller zur Authentifizierung gegenüber einem kontrollierten System zu zwingen. Ziel war ein NTLM-Relay mit Domänenrechten. Unit 42 Managed Detection and Response stoppte den Übernahmeversuch.

Wer konkret gefährdet ist

Besonders relevant ist die Kampagne für Unternehmen, die externe Teams-Kommunikation zulassen und deren Beschäftigte Quick Assist, andere RMM-Werkzeuge oder heruntergeladene Programme ausführen können. Für die weitergehende Angriffskette muss zudem eine Windows-Domänenumgebung vorhanden sein, in der NTLM-Relay nicht ausreichend unterbunden ist.

PetitPotam ist keine neue Technik. Die damit verbundene Schwachstelle CVE-2021-36942 wurde 2021 bekannt und von Microsoft gepatcht. Ein eingespieltes Update allein bildet jedoch nicht jede NTLM-Relay-Konstellation ab. Insbesondere bei Active Directory Certificate Services müssen Betreiber die von Microsoft vorgesehenen Schutzmaßnahmen gegen NTLM-Relay prüfen. Spring Ring belegt einen beobachteten Angriffsversuch, aber keine neue ungepatchte Teams-Lücke und auch keine erfolgreiche Domänenübernahme in dem von Unit 42 beschriebenen Fall.

Die Reichweite solcher Methoden nimmt dennoch zu. In den ersten vier Monaten 2026 entfielen laut Palo Alto Networks 42 Prozent der in Cortex registrierten Phishing-Warnungen auf Kollaborationswerkzeuge, nach 30 Prozent in den vier Monaten zuvor. KnowBe4 meldete für Teams-basierte Angriffe zwischen Oktober 2025 und März 2026 einen Anstieg um 41 Prozent. Diese Werte stammen aus den jeweiligen Telemetrie- und Berichtssystemen und sind keine Vollerhebung des Gesamtmarkts.

Die auffällige Stelle liegt zwischen Chat und Anruf

Für Verteidiger liegt ein früher Erkennungspunkt vor der Malware-Ausführung: Eine externe Identität mit einem autoritär klingenden Tenant-Namen erstellt einen Einzelchat und wechselt unmittelbar zu einem unaufgeforderten Anruf. Weitere Signale sind Verbindungen über kommerzielle VPN-Dienste, mehrere rasch nacheinander kontaktierte Beschäftigte und atypische Fernwartungssoftware bei Nutzern, die normalerweise keinen Remote-Support benötigen.

Unternehmen sollten externe Teams-Kommunikation deshalb nicht nur als Komfortfunktion behandeln. Wo sie betrieblich nicht erforderlich ist, lässt sie sich einschränken. Wo sie benötigt wird, braucht der Helpdesk einen überprüfbaren Ablauf: Interne IT-Mitarbeiter sollten keine unangekündigten externen Konten verwenden, und Beschäftigte sollten Supportanfragen über einen bekannten zweiten Kanal bestätigen. Nicht freigegebene RMM-Programme und ausführbare Dateien aus Cloudspeichern sollten technisch blockiert oder kontrolliert werden.

Nach Fernzugriff reicht das Löschen des Programms nicht

Hat ein Beschäftigter bereits Fernsteuerung gewährt oder einen Befehl ausgeführt, ist der Vorgang als möglicher Sicherheitsvorfall zu behandeln. Das betroffene System sollte isoliert und auf PowerShell-Aktivität, neue RMM-Werkzeuge, Persistenzdateien, seitlich geladene Browser-Erweiterungen sowie ungewöhnlichen SMB- und NTLM-Verkehr untersucht werden. Hinzu kommen die Prüfung verwendeter Konten und eine Suche nach vergleichbaren externen Teams-Kontakten im Unternehmen.

Spring Ring macht damit vor allem eine operative Lücke sichtbar: Die Sicherheit hängt nicht nur an der Kennzeichnung externer Absender, sondern daran, ob ein angeblicher Supportvorgang technisch und organisatorisch verifiziert werden muss. Sobald ein Teams-Anruf genügt, um Fernsteuerung zu legitimieren, wird der Helpdesk-Prozess selbst zum Zugangskontrollsystem.

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Über den Autor

Jens Könnig

Jens analysiert seit Jahren digitale Märkte, Preisbewegungen und Plattform-Strategien. Als Betreiber mehrerer datengetriebener Systeme wertet er täglich große Mengen an Produkt- und Trenddaten aus. Sein Fokus liegt auf Einordnung statt Hype: Was bedeutet eine Entwicklung wirklich für Nutzer, Preise und Märkte?

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