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CyberXero: KI-gestützte Angriffe stehlen 628.000 Datensätze

CyberXero: KI-gestützte Angriffe stehlen 628.000 Datensätze
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Die mutmaßlich russischsprachige Cybercrime-Gruppe CyberXero hat nach Erkenntnissen des Sicherheitsunternehmens SOCRadar mehr als 628.000 Datensätze ukrainischer Personen erbeutet. Bestätigte Datenabflüsse betreffen vier Organisationen in der Ukraine, darunter Daten von Einwohnern Charkiws. Weitere erfolgreiche Einbrüche wurden in Polen, China und den Niederlanden festgestellt.

Die mindestens seit Juli 2026 aktive Operation verbindet zwei unterschiedliche Angriffsstränge: eine weitgehend automatisierte Kampagne gegen WordPress-Seiten und E-Commerce-Plattformen sowie gezielte, manuell geführte Angriffe auf ukrainische Energieversorger und andere kritische Infrastruktur. Als technische Orchestrierung dienten unter anderem Claude Code von Anthropic, 51 spezialisierte KI-Agenten, das autonome Pentest-System PentAGI und Cobalt Strike.

Der entscheidende operative Befund ist dabei nicht, dass ein KI-Modell eine völlig neue Angriffstechnik entwickelt hätte. CyberXero nutzte die Agenten vor allem dazu, bekannte Schwachstellen schneller zu finden, Exploits zu verketten und bereits erlangten Zugang weiterzuverarbeiten. Dadurch schrumpft die Zeitspanne, in der ungepatchte Systeme noch unentdeckt am Netz stehen können.

Zwei Kampagnen mit unterschiedlichen Zielen

Der globale Teil der Operation zielte auf möglichst viele verwundbare WordPress- und E-Commerce-Installationen. Im Vordergrund standen Zugänge, Bezahldaten und potenziell weiterverkaufbare kompromittierte Systeme. Bei einem dokumentierten automatisierten Durchlauf wurden 4.708 Ziele gescannt. Die Angreifer bestätigten Zugriff auf 429 WordPress-Administrationsoberflächen und installierten anschließend innerhalb eines Zeitfensters von 61 Sekunden 32 Webshells.

Die zwei Angriffsstränge von CyberXero
Zwei Angriffspipelines, eine OrchestrierungClaude Code: 51 AgentenPentAGI und Cobalt StrikeGlobal und automatisiertWordPress, E-Commerce, RedisGezielt und manuellUkrainische Energie und VersorgungZugänge und WebshellsZiel: Zugriff und BezahldatenDatenabfluss bestätigtMehr als 628.000 Datensätze
Die Grafik zeigt, wie CyberXero eine KI-Orchestrierung mit einer automatisierten globalen Kampagne und gezielten Angriffen auf ukrainische Infrastruktur verband.

Parallel dazu führte CyberXero nach Angaben von SOCRadar eine deutlich selektivere Kampagne gegen ukrainische Energie- und Versorgungsunternehmen. Zu den Zielen gehörte ein Wärmeversorger in Charkiw. Hier ging es um tiefere Aufklärung und manuelle Ausnutzung statt um bloße Masse. Einen unmittelbar erkennbaren Weg zur finanziellen Verwertung dieser Zugriffe nennt der Bericht nicht. SOCRadar stuft CyberXero dennoch als finanziell motivierten Initial Access Broker ein, also als Akteur, der Zugänge zu fremden Systemen beschafft und verwertet.

Aufgedeckt wurde die Operation durch einen Fehler auf Seiten der Angreifer. Ein offen erreichbares Verzeichnis unter der IP-Adresse 46.21.250[.]135 legte die Arbeitsumgebung eines Linux-Rechners frei. Darin fanden die Forscher KI-Sitzungsprotokolle, Skripte mit Klartext-Tokens, Exploit-Werkzeuge, Aufklärungsergebnisse, Agentenkonfigurationen und bereits exfiltrierte Daten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung galt die Kampagne als weiterhin aktiv.

Bekannte WordPress-Lücken bildeten den Einstieg

Für WordPress nutzte CyberXero nach den vorliegenden Erkenntnissen unter anderem die als „wp2shell“ bezeichnete Kombination aus CVE-2026-63030 und CVE-2026-60137. CVE-2026-63030 ist eine kritische, ohne Authentifizierung ausnutzbare Remote-Code-Execution-Lücke im WordPress-Core. Betroffen waren die Versionen 6.9.0 bis 6.9.4 sowie 7.0.0 bis 7.0.1. Die Schwachstelle erreicht einen CVSS-Wert von 9,8 und beruht auf einer Route-Confusion im Batch-Endpunkt der REST-API.

CVE-2026-60137 ist eine SQL-Injection-Lücke mit einem CVSS-Wert von 5,9. In Verbindung mit CVE-2026-63030 konnte daraus eine unauthentifizierte Ausführung von Code entstehen. Beide Fehler wurden am 17. Juli 2026 behoben. Die vorliegenden Angaben nennen keine konkreten bereinigten Versionsnummern; Betreiber sollten deshalb eine aktuell unterstützte WordPress-Version einsetzen, welche die an diesem Datum veröffentlichten Korrekturen enthält.

Hinzu kommt CVE-2026-4815 im WordPress-Plugin Schiocco Support Board 3.7.7. Über diese SQL-Injection konnten authentifizierte Angreifer Datenbankeinträge manipulieren. Die Lücke wurde innerhalb von 30 Tagen nach ihrer Offenlegung ausgenutzt. Anders als bei der wp2shell-Kette setzt sie nach den verfügbaren Angaben also eine Authentifizierung voraus. Eine konkrete gepatchte Plugin-Version ist in den vorliegenden Informationen nicht genannt; Version 3.7.7 sollte nicht weiter betrieben werden.

Claude koordinierte Werkzeuge, ersetzte sie aber nicht

Auf dem primären Rechner des Angreifers lief Claude Code mit einem Verbund aus 51 spezialisierten Agenten. Diese übernahmen Aufgaben wie Scanning, Exploit-Verkettung, Aufklärung und Post-Exploitation. Unabhängig davon war PentAGI über eine KI-Anbieter-API mit einem Cobalt-Strike-Teamserver verbunden und wurde für Payload-Erzeugung sowie automatisierte Pentest-Abläufe eingesetzt.

Die protokollierten Sitzungen zeigen zugleich, dass die Schutzmechanismen des Modells weder vollständig wirkungslos noch zuverlässig ausreichend waren. CyberXero gab Anfragen als autorisierte Sicherheitstests der eigenen Infrastruktur aus und öffnete nach Ablehnungen neue Sitzungen mit entsprechend vorbereitetem Kontext. Manche Sperren ließen sich auf diese Weise offenbar umgehen. Andere hielten stand: Das Modell verweigerte laut SOCRadar mehrfach die Installation einer Hintertür, das Abschalten einer Firewall, laterale Bewegungen und das Ausbringen einer Webshell. In einem weiteren Fall lehnte es vier Scan-Versuche und einen gefälschten Eigentumsnachweis ab.

Damit ist die Kampagne kein Beleg dafür, dass Claude jeden offensiven Auftrag ausführte. Sie zeigt vielmehr, wie Angreifer Modelle in eine größere Werkzeugkette einbauen und abgelehnte Schritte erneut formulieren, auf andere Sitzungen verteilen oder mit klassischen Angriffswerkzeugen erledigen können. Die Wirkung entsteht aus der Kombination von Automatisierung, vorhandenen Exploits und erreichbaren ungepatchten Systemen.

Nach einem Treffer reicht das Update nicht mehr

WordPress-Betreiber sollten zunächst den Core und alle Erweiterungen inventarisieren und die genannten verwundbaren Stände ersetzen. Zusätzlich empfiehlt SOCRadar die Suche nach unbekannten WordPress-Administratoren und WSO-Webshells. Weil bereits Administratorzugänge und Webshells bestätigt wurden, beweist ein nachträglich installiertes Update allein nicht, dass ein System wieder vertrauenswürdig ist.

Bei Anzeichen einer Kompromittierung sind Protokolle und verdächtige Dateien zu sichern, Zugangsdaten und offengelegte Tokens zu wechseln und veränderte Systeme aus einer bekannten, sauberen Grundlage wiederherzustellen. Auch öffentlich erreichbare Redis-Instanzen gehören in die Prüfung: CyberXero kompromittierte darüber zwei chinesische Organisationen. Auf solchen Hosts sollte insbesondere die Datei ~/.ssh/authorized_keys auf unerwartete Einträge kontrolliert werden. Redis sollte nicht ohne zwingenden Grund direkt aus dem Internet erreichbar sein.

Für Betreiber kritischer Infrastruktur kommt hinzu, dass öffentlich sichtbare Websysteme nicht isoliert bewertet werden dürfen. Entscheidend ist, welche internen Systeme, Identitäten und Daten von einem übernommenen Webserver aus erreichbar sind. Segmentierung und begrenzte Dienstkonten reduzieren den Schaden, falls ein automatisierter Erstzugriff gelingt.

Der Patch-Rückstand wird maschinell verwertet

CyberXero macht vor allem sichtbar, wie sich die Ökonomie bekannter Sicherheitslücken verändert. Die ausgenutzten Fehler waren benannt und teilweise bereits korrigiert. Neu war die Geschwindigkeit, mit der Ziele geprüft, Zugänge bestätigt und Webshells verteilt wurden. KI-Agenten beseitigen weder die Notwendigkeit von Exploits noch die technischen Voraussetzungen eines Angriffs. Sie helfen jedoch dabei, mehr potenzielle Ziele parallel abzuarbeiten und erfolgreiche Treffer unmittelbar an die nächste Stufe weiterzureichen.

Für Betreiber verkürzt sich dadurch nicht zwingend die offizielle Patchfrist, wohl aber die praktisch verfügbare Reaktionszeit. Ein ungepatchtes System ist nach Veröffentlichung einer verwertbaren Lücke nicht nur einem einzelnen Angreifer ausgesetzt. Es kann Teil einer automatisierten Pipeline werden, in der Scanning, Ausnutzung und Persistenz nahezu ohne Pause aufeinanderfolgen. Genau deshalb sind Komponentenbestand, externe Erreichbarkeit und die Kontrolle nach einem möglichen Einbruch wichtiger als die pauschale Frage, ob ein Unternehmen „WordPress nutzt“.

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Über den Autor

Jens Könnig

Jens analysiert seit Jahren digitale Märkte, Preisbewegungen und Plattform-Strategien. Als Betreiber mehrerer datengetriebener Systeme wertet er täglich große Mengen an Produkt- und Trenddaten aus. Sein Fokus liegt auf Einordnung statt Hype: Was bedeutet eine Entwicklung wirklich für Nutzer, Preise und Märkte?

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