Wenn von einem Datenleck bei einem bekannten Unternehmen die Rede ist, entsteht schnell der Eindruck, die Angreifer hätten dessen eigene Systeme kompromittiert. Im aktuellen Fall von Nintendo zeichnet sich jedoch ein anderes Bild ab. Nach einem Cyberangriff auf einen externen Dienstleister sind Unternehmensdaten veröffentlicht worden, die teilweise Nintendo zugeordnet werden können.
Nach Angaben des Unternehmens stammen die betroffenen Daten aus einem Vorfall bei TinyPulse, einer Plattform für Mitarbeiterbefragungen und internes Feedback, die heute zu WebMD Health Services gehört. Nintendo bestätigte, dass ein Teil der veröffentlichten Informationen echt ist. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen, dass viele der Daten bereits mehrere Jahre alt seien.
Nicht Nintendo stand im Mittelpunkt des Angriffs
Die mutmaßlichen Angreifer behaupten, rund 859 Megabyte Daten erbeutet zu haben. Zu den veröffentlichten Beispielen sollen Mitarbeiterdaten, E-Mail-Adressen, Organisationsinformationen, interne Umfragen und weitere Unternehmensunterlagen gehören.
Nach aktuellem Kenntnisstand richtete sich der Angriff nicht gegen die IT-Infrastruktur von Nintendo selbst. Stattdessen wurde ein externer Anbieter kompromittiert, der Dienstleistungen für Unternehmen bereitstellt. Genau dieser Punkt macht den Vorfall besonders interessant.
Das eigentliche Risiko heißt Lieferkette
Viele Unternehmen investieren heute erhebliche Summen in Firewalls, Identitätsmanagement, Sicherheitsüberwachung und Mitarbeiterschulungen. Gleichzeitig sind sie auf zahlreiche externe Anbieter angewiesen. Dazu gehören HR-Plattformen, Cloud-Dienste, Marketing-Tools, Support-Systeme oder Analyseplattformen.
Jeder dieser Dienstleister verarbeitet Daten und erweitert damit die digitale Angriffsfläche. Für Cyberkriminelle kann ein Dienstleister deshalb deutlich attraktiver sein als ein einzelnes Unternehmen. Mit einem erfolgreichen Angriff lassen sich häufig Daten mehrerer Kunden gleichzeitig erbeuten.
Der Nintendo-Vorfall reiht sich in eine wachsende Zahl von Angriffen ein, bei denen nicht das eigentliche Zielunternehmen kompromittiert wurde, sondern ein Partner innerhalb der Lieferkette.
Warum solche Angriffe zunehmen
Moderne Unternehmen nutzen heute oft Hunderte externe Dienste. Selbst wenn die eigene IT gut geschützt ist, hängt die tatsächliche Sicherheit auch von jedem einzelnen Partner ab. Sicherheitsverantwortliche sprechen deshalb zunehmend von einem Lieferkettenrisiko, das sich nur begrenzt kontrollieren lässt.
Für Angreifer entsteht dadurch ein attraktives Geschäftsmodell. Statt einen Konzern direkt anzugreifen, genügt häufig ein erfolgreicher Einbruch bei einem Dienstleister, um an wertvolle Unternehmensdaten zu gelangen.
Mehr als eine Nintendo-Geschichte
Der aktuelle Vorfall ist deshalb weniger eine Geschichte über Nintendo als über die zunehmende Abhängigkeit von externen Plattformen. Die eigentliche Lehre lautet nicht, dass selbst große Unternehmen Ziel von Angriffen werden können. Das ist längst bekannt.
Interessanter ist die Erkenntnis, dass die größte Schwachstelle oft außerhalb der eigenen Infrastruktur liegt. Je stärker Unternehmen digitale Dienste auslagern, desto wichtiger wird die Sicherheit ihrer Partner.
Der Angriff auf den HR-Dienstleister zeigt damit ein Problem, das in den kommenden Jahren vermutlich weiter an Bedeutung gewinnen wird: Die Sicherheit eines Unternehmens endet nicht mehr an der eigenen Firewall.
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