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iPhone gestohlen: So sendet es beim Laden automatisch Foto und Standort

iPhone gestohlen: So sendet es beim Laden automatisch Foto und Standort
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Ein gestohlenes iPhone landet früher oder später häufig an einem Ladegerät. Genau diesen Moment kann man mit Apples Kurzbefehle-App nutzen: Sobald das iPhone mit Strom verbunden wird, kann automatisch der Standort ermittelt, ein Foto mit der Frontkamera aufgenommen und beides per E-Mail verschickt werden.

Der Trick ist nicht neu und kursiert seit einiger Zeit in der Shortcuts-Community. Wir haben ihn selbst ausprobiert und um eine wichtige Bedingung ergänzt: Zu Hause soll die Automation nicht bei jedem normalen Ladevorgang eine Mail verschicken.

Rohtext-Test: Auf unserem Testgerät funktionierten Standortabfrage, Frontkamera und E-Mail-Versand auch bei gesperrtem iPhone.

Die Idee: Das Ladegerät wird zum Auslöser

In der Kurzbefehle-App kann das Verbinden mit einem Ladegerät als Auslöser für eine persönliche Automation verwendet werden.

Dazu öffnet man:

Kurzbefehle → Automation → Neue persönliche Automation → Ladegerät

Als Bedingung wird „Verbunden wird“ gewählt. Wichtig ist außerdem „Sofort ausführen“. Die Automation soll schließlich nicht erst auf eine Bestätigung warten.

Damit steht zunächst nur der Auslöser fest. Anschließend können verschiedene Aktionen folgen.

Standort ermitteln, Foto aufnehmen und Mail senden

Eine einfache Variante besteht aus diesen Schritten:

  1. Aktuellen Standort abrufen
  2. Foto mit der Frontkamera aufnehmen
  3. Foto und Standort per E-Mail versenden

Bei der Kamera sollte die Vorderseite gewählt und die Vorschau deaktiviert werden.

Damit versucht das iPhone beim nächsten Anschließen an ein Ladegerät automatisch, den aktuellen Standort zu bestimmen, ein Foto aufzunehmen und die Informationen zu versenden.

Das Problem: Sonst kommt bei jedem Laden eine Mail

In dieser Form ist die Automation im Alltag kaum sinnvoll. Auch beim normalen Laden zu Hause würde jedes Mal ein Foto aufgenommen und eine E-Mail verschickt.

Eine einfache Lösung besteht darin, vorher den Namen des aktuell verbundenen WLANs abzufragen.

Dazu wird vor den eigentlichen Aktionen „Netzwerkdetails abrufen“ eingefügt und dort der Netzwerkname des WLANs ausgewählt.

Anschließend folgt eine Wenn-Bedingung:

Wenn Netzwerkname nicht „MEIN-HEIM-WLAN“ ist

Erst innerhalb dieser Bedingung werden Standort, Foto und E-Mail ausgeführt.

Das Ergebnis:

  • iPhone wird zu Hause geladen und ist mit dem Heim-WLAN verbunden → nichts passiert
  • iPhone wird an einem anderen Ort geladen → Automation läuft
  • iPhone hat beim Laden keine WLAN-Verbindung → Automation kann ebenfalls laufen

Für einen Diebstahlschutz ist gerade der letzte Fall interessant.

So sieht die komplette Automation aus

Der Aufbau kann beispielsweise so aussehen:

Ladegerät verbunden

WLAN-Netzwerkname abrufen

Wenn WLAN-Name nicht dem Heim-WLAN entspricht

Aktuellen Standort abrufen

Foto mit Frontkamera aufnehmen

E-Mail versenden

Wer mehrere eigene WLAN-Netze nutzt, kann die Abfrage entsprechend erweitern.

Funktioniert das auch bei gesperrtem iPhone?

Wir haben die Automation selbst getestet. Dabei zeigte sich: Der Ablauf funktioniert auch bei gesperrtem Gerät.

Beim Anschließen des Ladekabels wurde die Automation automatisch gestartet, obwohl das iPhone gesperrt war. Der Standort konnte abgerufen, mit der Frontkamera ein Foto aufgenommen und anschließend eine E-Mail verschickt werden.

Eine Bestätigung auf dem Sperrbildschirm war in unserem Test nicht erforderlich.

Das ist für den gedachten Einsatzzweck entscheidend: Ein Dieb muss das iPhone nicht entsperren, damit die Automation beim nächsten Laden ausgelöst werden kann.

Trotzdem sollte man die Funktion nach dem Einrichten einmal selbst testen. Änderungen an iOS, Berechtigungen oder einzelnen Kurzbefehle-Aktionen können das Verhalten künftig beeinflussen.

Kann ein falscher Entsperrcode die Automation auslösen?

Naheliegend wäre ein noch direkterer Diebstahlschutz: Jemand gibt mehrfach einen falschen Entsperrcode ein und das iPhone macht daraufhin automatisch ein Foto und sendet seinen Standort.

Das lässt sich mit Apples Kurzbefehle-App derzeit jedoch nicht umsetzen. Fehlgeschlagene Code-Eingaben oder Face-ID-Versuche stehen nicht als Trigger für persönliche Automationen zur Verfügung.

iOS registriert solche Fehlversuche intern zwar und reagiert darauf mit eigenen Sicherheitsmechanismen. Kurzbefehle erhält dieses Ereignis aber nicht als Auslöser.

Für eine selbst gebaute Diebstahl-Automation bleiben deshalb indirekte Trigger wie „Ladegerät verbunden“, Flugmodus, WLAN-Wechsel oder ein Fokus-Modus deutlich praktikabler.

Darf das iPhone einen Dieb heimlich fotografieren?

Rechtlich ist die automatische Fotoaufnahme nicht völlig unproblematisch. Dass eine Person möglicherweise ein gestohlenes Smartphone besitzt, bedeutet nicht automatisch, dass jede heimliche Aufnahme dieser Person zulässig ist.

Besonders relevant ist in Deutschland § 201a StGB. Die Vorschrift schützt den höchstpersönlichen Lebensbereich vor unbefugten Bildaufnahmen. Strafbar kann insbesondere eine Aufnahme sein, wenn sich die fotografierte Person in einer Wohnung oder einem anderen gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet und dadurch ihr höchstpersönlicher Lebensbereich verletzt wird.

Eine Aufnahme im öffentlichen Raum ist deshalb rechtlich anders zu beurteilen als beispielsweise ein heimlich aufgenommenes Foto innerhalb einer privaten Wohnung. Auch die weitere Verwendung oder Veröffentlichung eines Fotos kann zusätzliche rechtliche Probleme verursachen.

Daneben kann Datenschutzrecht eine Rolle spielen. Die sogenannte Haushaltsausnahme der DSGVO gilt nur für ausschließlich persönliche oder familiäre Tätigkeiten. Sobald Aufnahmen darüber hinausgehen oder etwa öffentlichen Raum erfassen, kann die rechtliche Bewertung komplexer werden.

Für die hier beschriebene Automation bedeutet das praktisch: Ein automatisch aufgenommenes Foto sollte ausschließlich zur Sicherung des eigenen Geräts beziehungsweise als möglicher Hinweis für Polizei oder Versicherung verwendet und keinesfalls einfach im Internet veröffentlicht werden.

Die rechtliche Bewertung hängt immer von den konkreten Umständen der Aufnahme ab. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Kein Ersatz für „Wo ist?“

Die Automation sollte nicht als Ersatz für Apples eigentliche Diebstahlschutzfunktionen betrachtet werden.

Apple empfiehlt bei einem verlorenen oder gestohlenen iPhone weiterhin, das Gerät über „Wo ist?“ beziehungsweise über iCloud als verloren zu markieren. Dadurch wird das Gerät gesperrt und die Aktivierungssperre bleibt erhalten.

Ein gestohlenes Gerät sollte außerdem nicht aus „Wo ist?“ entfernt werden, weil dadurch die Aktivierungssperre aufgehoben werden kann.

Zusätzlich sollte unter Einstellungen → Face ID & Code → Schutz für gestohlene Geräte Apples Funktion „Schutz für gestohlene Geräte“ aktiviert werden.

Sie verlangt für besonders sensible Aktionen zusätzliche biometrische Authentifizierung und kann Änderungen an wichtigen Sicherheitseinstellungen verzögern.

Warum die zusätzliche Automation trotzdem interessant ist

„Wo ist?“ bleibt für verlorene und gestohlene iPhones die wichtigste Funktion. Die Kurzbefehle-Automation verfolgt aber einen etwas anderen Ansatz.

Sie nutzt einen Moment, in dem ein gestohlenes Gerät möglicherweise wieder mit Strom versorgt und dadurch länger erreichbar wird.

Im Idealfall erhält der Besitzer dadurch zusätzlich einen aktuellen Standort und ein Foto der Person, die das Gerät gerade verwendet.

Die WLAN-Bedingung macht aus dem zunächst etwas nervigen Experiment außerdem eine brauchbare Automation: Beim normalen Laden zu Hause bleibt sie still und wird erst interessant, wenn das iPhone an einem unbekannten Ort mit Strom verbunden wird.

Fazit

Die Idee ist simpel, aber erstaunlich brauchbar: Das iPhone nutzt das Anschließen an ein Ladegerät als Auslöser, prüft, ob es sich im bekannten Heim-WLAN befindet, und startet nur außerhalb dieses Netzes die eigentliche Diebstahl-Automation.

In unserem Test funktionierten dabei auch bei gesperrtem Gerät die Standortabfrage, die Aufnahme mit der Frontkamera und der Versand per E-Mail.

Ein fehlgeschlagener Entsperrcode lässt sich dagegen nicht als Trigger verwenden. Die Lösung bleibt deshalb eine zusätzliche Schutzschicht und ersetzt weder „Wo ist?“ noch Apples „Schutz für gestohlene Geräte“.

Wer ein gestohlenes iPhone auf einer Karte an einem unbekannten Ort sieht, sollte außerdem nicht versuchen, das Gerät selbst zurückzuholen, sondern sich an die Polizei wenden.

J

Über den Autor

Jens Könnig

Jens analysiert seit Jahren digitale Märkte, Preisbewegungen und Plattform-Strategien. Als Betreiber mehrerer datengetriebener Systeme wertet er täglich große Mengen an Produkt- und Trenddaten aus. Sein Fokus liegt auf Einordnung statt Hype: Was bedeutet eine Entwicklung wirklich für Nutzer, Preise und Märkte?

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