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Googles KI-Chips gehen fremd: OpenAI will TPUs kaufen, Oracle bietet sie an

Googles KI-Chips gehen fremd: OpenAI will TPUs kaufen, Oracle bietet sie an
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Googles KI-Chips verlassen das eigene Rechenzentrum: Oracle will TPUs ab 2027 in seiner Cloud anbieten, und OpenAI plant laut Berichten, die Chips direkt bei Google zu kaufen. Für Nvidia entsteht damit ein ernsthafter Wettbewerber, für Google ein heikles Geschäft mit der eigenen Konkurrenz.

Mehr als zehn Jahre lang waren Googles Tensor Processing Units (TPUs) ein Werkzeug für den Eigenbedarf. Wer sie nutzen wollte, musste sie in der Google Cloud mieten. Innerhalb von zwei Tagen hat sich dieses Bild verschoben.

Was belegt ist

Am 27. Oktober haben Oracle und Google angekündigt, dass TPUs über Oracle Cloud Infrastructure (OCI) verfügbar werden. Es ist das erste Mal, dass ein großer Cloud-Anbieter außerhalb von Google die Chips anbietet. Start ist laut Oracle im Kalenderjahr 2027, die Kapazität soll über mehrere Jahre wachsen. In einem begleitenden Blogbeitrag spricht Oracle von einem Ausbau bis in den Gigawatt-Bereich. Google selbst beschreibt die Partnerschaft im Google-Cloud-Blog.

Am selben Abend berichtete The Information, dass OpenAI plant, Googles KI-Chips zu kaufen. Bloomberg bestätigte das unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person, CNBC ebenfalls. Die endgültigen Konditionen stehen laut Bloomberg noch nicht fest. Zu Preis, Menge und Zeitplan gibt es keine Angaben, OpenAI und Google wollten sich nicht äußern.

Neu ist vor allem die Form der Beziehung. OpenAI mietet bereits seit 2025 TPU-Rechenzeit über Google Cloud, wie Reuters damals berichtete. Ein Kauf ginge darüber hinaus. Gleichzeitig bleibt OpenAI einer der größten Abnehmer von Nvidia-GPUs und hat im Juni einen eigenen, mit Broadcom entwickelten Chip vorgestellt, der bis Jahresende in Betrieb gehen soll.

Warum Google seine Chips plötzlich verteilt

Google verkauft TPUs erst seit dem zweiten Quartal dieses Jahres an externe Kunden, so CNBC. Der Schritt zu Oracle ist ein Bruch mit dem bisherigen Modell, Chips, Modelle und Cloud-Dienste aus einer Hand zu verkaufen. Die Begründung im Google-Blog ist nüchtern: Die weltweite Nachfrage nach KI-Rechenleistung übersteige den Ausbau jedes einzelnen Anbieters.

Die Analystenschätzungen zum TPU-Geschäft gehen weit auseinander. TD Cowen rechnet laut CNBC für 2027 mit 62,5 Milliarden Dollar TPU-Umsatz, Wells Fargo mit rund 99 Milliarden. Alphabet-Finanzchefin Anat Ashkenazi hatte im Juli angekündigt, dass der weitaus größte Teil der Umsätze aus bestehenden TPU-Verträgen erst 2027 verbucht wird.

Der harte Punkt ist: Google beliefert seine direkten Rivalen

Googles größter TPU-Kunde ist bereits Anthropic, dessen Claude-Modelle direkt mit Gemini konkurrieren. Anthropic hatte im vergangenen Oktober zugesagt, bis zu eine Million TPUs zu nutzen. Kommt OpenAI hinzu, versorgt Google die beiden wichtigsten Gegenspieler im Modellgeschäft mit Rechenleistung. Mizuho nennt das laut CNBC Googles „Bewaffnung des engsten Modellkonkurrenten“.

Dahinter steht ein Zielkonflikt, den auch CNBC beschreibt: Jede TPU, die extern verkauft oder bei Oracle aufgestellt wird, fehlt Google für Gemini und die eigene Cloud. Google selbst hat für das dritte Quartal angekündigt, mehr externe Kapazität zuzukaufen, während die eigenen Rechenzentren noch wachsen.

Was das für Nvidia bedeutet

Nvidia verliert durch die Meldungen keinen Kunden. Oracle hat am selben Tag den Ausbau mit Nvidias „Vera Rubin“-Systemen auf mehrere Gigawatt angekündigt, wie Reuters berichtet. Daneben will Oracle aber auch Inferenz-Systeme von Cerebras und SambaNova anbieten. Die Richtung ist klar: Große KI-Kunden wollen mehrere Chiplieferanten, vor allem beim Betrieb fertiger Modelle, wo der Markt laut Reuters deutlich offener ist als beim Training.

Für Nvidia ist das kein Einbruch, aber ein Ende der Selbstverständlichkeit. Erstmals gibt es mit TPUs eine Alternative, die außerhalb des Herstellers in einer fremden Cloud läuft und die der wichtigste KI-Kunde der Branche offenbar kaufen will.

Einordnung

Der OpenAI-Kauf ist bisher eine Absicht aus anonymen Quellen, kein unterschriebener Vertrag. Die Oracle-Partnerschaft ist offiziell, liefert aber erst ab 2027. Kurzfristig ändert sich für Kunden deshalb wenig. Mittelfristig wird Googles Chip-Sparte zu einem eigenen Geschäftsfeld, das Google stärker an der Nachfrage der gesamten Branche verdienen lässt, auch an der seiner Konkurrenten.

Wie viel davon schon jetzt im Zahlenwerk steckt, zeigen Alphabets Quartalszahlen vom Mittwochabend nur bedingt. Laut ersten Angaben von CNBC lag der Umsatz mit 127,58 Milliarden Dollar knapp unter den Erwartungen, der freie Cashflow fiel auf 9,07 Milliarden Dollar, die Aktie gab nachbörslich rund sieben Prozent nach. Der milliardenschwere Ausbau der KI-Infrastruktur muss sich erst noch rechnen, auch beim Verkäufer der Chips.

Quellen

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Über den Autor

Jens Könnig

Jens analysiert seit Jahren digitale Märkte, Preisbewegungen und Plattform-Strategien. Als Betreiber mehrerer datengetriebener Systeme wertet er täglich große Mengen an Produkt- und Trenddaten aus. Sein Fokus liegt auf Einordnung statt Hype: Was bedeutet eine Entwicklung wirklich für Nutzer, Preise und Märkte?

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