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Google versteckt echte Suchtreffer-URLs hinter neuen GoTo Redirects

Google versteckt echte Suchtreffer-URLs hinter neuen GoTo Redirects
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Google verändert gerade einen unscheinbaren, aber technisch wichtigen Teil seiner Suche. Wer auf ein organisches Suchergebnis klickt, wird zunehmend nicht mehr direkt auf die verlinkte Webseite geschickt.

Stattdessen schaltet Google eine eigene URL dazwischen:

google.com/goto?...

Erst diese Adresse leitet anschließend auf die eigentliche Webseite weiter.

Google hat inzwischen bestätigt, dass die Änderung ausgerollt wird. Für normale Nutzer dürfte davon kaum etwas zu bemerken sein. Für SEO-Tools, Ranktracker, SERP-Dienste und möglicherweise auch KI-Unternehmen ist die Änderung dagegen deutlich interessanter.

Google schaltet sich zwischen Suchergebnis und Webseite

Bisher enthielten die organischen Suchergebnisse im Wesentlichen direkt die Adresse der jeweiligen Zielseite.

Vereinfacht sah der Aufruf so aus:

Google → rohtext.de/artikel

Mit dem neuen System sieht der Weg dagegen so aus:

Google → google.com/goto?... → rohtext.de/artikel

Google fungiert damit beim Klick auf ein Suchergebnis zunächst selbst als Zwischenstation.

Erste Beobachtungen dieser Technik gab es bereits im Juli 2026. Inzwischen scheint Google den Einsatz massiv auszuweiten.

Google bestätigt den Rollout

Gegenüber Search Engine Roundtable und Search Engine Land hat Google inzwischen bestätigt, dass neue technische Schutzmaßnahmen ausgerollt werden.

Das Unternehmen erklärt, man setze seit Langem technische Maßnahmen gegen sich weiterentwickelnde Formen des Missbrauchs ein und ergreife regelmäßig Schritte zum Schutz seiner Dienste und Nutzer.

Welche Form von Missbrauch mit den neuen /goto-Links konkret bekämpft werden soll, sagt Google allerdings nicht.

Genau hier wird die Änderung interessant.

SEO-Tools bekommen ein Problem

Viele SEO-Dienste analysieren automatisiert die Google-Suchergebnisse.

Ranktracker müssen beispielsweise herausfinden, welche Domains für ein bestimmtes Keyword auf Position 1, 2 oder 20 stehen. Dafür werden Suchergebnisse automatisiert abgerufen und die darin enthaltenen Links ausgewertet.

Bislang konnte ein System aus dem Suchergebnis relativ einfach erkennen:

Position 3 → beispiel.de/produkt

Mit Googles neuer Technik steht dort unter Umständen zunächst nur noch eine Google-Adresse.

Nach Angaben von Derek Perkins vom SEO-Anbieter Nozzle lassen sich die neuen goto-Links nicht einfach dekodieren. Ein Anbieter muss deshalb gegebenenfalls jeden einzelnen Redirect tatsächlich aufrufen, um herauszufinden, welche Zieladresse dahintersteckt.

Das erhöht den technischen Aufwand erheblich.

Nahezu vollständiger Rollout bei ersten Messungen

Nozzle beobachtet die Entwicklung bereits seit mehreren Monaten.

Nach Angaben des Unternehmens tauchen die neuen Redirects inzwischen bei nahezu 100 Prozent der SERPs auf, die über mehrere Residential-IP-Provider abgerufen werden.

Das deutet darauf hin, dass aus einem begrenzten Test inzwischen ein deutlich größerer Rollout geworden ist.

Search Engine Roundtable konnte die neuen Weiterleitungen ebenfalls in mehreren Browsern beobachten.

Warum das Scraping plötzlich deutlich teurer wird

Eine einzelne Weiterleitung ist technisch kein großes Hindernis.

Das Problem entsteht durch die Menge.

Ein professioneller Ranktracker verarbeitet nicht zehn oder hundert Suchanfragen, sondern teilweise Millionen.

Wenn aus einem einzigen Abruf einer Google-Ergebnisseite anschließend zahlreiche zusätzliche Requests werden, um die tatsächlichen Zieladressen hinter den goto-Links aufzulösen, steigen Infrastrukturbedarf, Rechenaufwand und Wahrscheinlichkeit einer Blockierung erheblich.

Google kann solche massenhaften Redirect-Aufrufe außerdem leichter erkennen und begrenzen.

Die Änderung beseitigt SERP-Scraping damit vermutlich nicht. Sie kann es aber technisch wesentlich aufwendiger machen.

Auch KI-Crawler könnten betroffen sein

Besonders interessant ist der Zeitpunkt der Änderung.

Suchmaschinendaten sind nicht nur für klassische SEO-Anbieter wertvoll. Auch KI-Unternehmen, Suchagenten und automatisierte Recherche-Systeme benötigen aktuelle Informationen darüber, welche Webseiten Google für bestimmte Anfragen ausliefert.

Search Engine Roundtable vermutet deshalb ausdrücklich, dass die Änderung neben SEO-Diensten auch das automatisierte Auslesen der Google-Suche durch KI-Unternehmen erschweren könnte.

Bestätigt hat Google diesen Zusammenhang bislang nicht.

Man sollte deshalb zwischen zwei Dingen unterscheiden:

Bestätigt ist der Rollout der neuen Redirect-Technik.

Nicht bestätigt ist, dass KI-Crawler oder bestimmte SEO-Anbieter das konkrete Ziel der Maßnahme sind.

Der Konflikt um Google-SERP-Daten wird größer

Die Änderung passt jedoch zu einem größeren Konflikt.

Google versucht zunehmend, automatisierte Zugriffe auf seine Suchergebnisse zu kontrollieren. Gleichzeitig sind genau diese Daten die Grundlage eines großen Ökosystems aus Ranktrackern, SEO-Plattformen, Suchmaschinen-APIs und inzwischen auch KI-Anwendungen.

Damit entsteht eine interessante Situation: Das offene Web kann von Google umfassend gecrawlt und ausgewertet werden – Google selbst versucht aber gleichzeitig stärker zu kontrollieren, wer die daraus erzeugten Suchergebnisse automatisiert auslesen darf.

Die neuen google.com/goto-Links sind technisch nur eine kleine Änderung.

Für Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf automatisiert ausgewerteten Google-SERPs basiert, könnten sie trotzdem erhebliche Folgen haben.

Was bedeutet das für Webseitenbetreiber?

Für normale Webseitenbetreiber besteht zunächst kein Grund zur Panik.

Ein Nutzer, der ein Suchergebnis anklickt, landet weiterhin auf der gewünschten Webseite. Auch gibt es bisher keinen belastbaren Hinweis darauf, dass die Änderung Rankings oder die Sichtbarkeit einer Webseite direkt beeinflusst.

Beobachten sollte man allerdings, ob sich durch den zusätzlichen Redirect Änderungen bei Referrer-Daten, Analytics-Auswertungen oder anderen Messsystemen ergeben.

Insbesondere bei ungewöhnlichen Veränderungen im organischen Traffic sollte deshalb nicht automatisch von einem Rankingverlust ausgegangen werden.

Die spannendere Frage kommt erst noch

Entscheidend wird sein, wie schnell die großen SEO-Anbieter auf Googles neue Technik reagieren.

Solche Anbieter haben in der Vergangenheit fast immer Wege gefunden, neue Schutzmaßnahmen zu umgehen oder ihre Systeme entsprechend anzupassen.

Google kann die Hürden anschließend erneut erhöhen.

Damit entwickelt sich zwischen Google und den Unternehmen, die seine Suchergebnisse automatisiert auswerten, zunehmend ein technisches Katz-und-Maus-Spiel.

Und mit dem wachsenden Bedarf von KI-Systemen an aktuellen Suchdaten dürfte dieser Konflikt eher größer als kleiner werden.

Quellen: Search Engine Roundtable, Search Engine Land, Angaben von Nozzle.

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Über den Autor

Jens Könnig

Jens analysiert seit Jahren digitale Märkte, Preisbewegungen und Plattform-Strategien. Als Betreiber mehrerer datengetriebener Systeme wertet er täglich große Mengen an Produkt- und Trenddaten aus. Sein Fokus liegt auf Einordnung statt Hype: Was bedeutet eine Entwicklung wirklich für Nutzer, Preise und Märkte?

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