Cursor reagiert inzwischen öffentlich auf die Ankündigung – und nennt dabei eine überraschend niedrige Zahl: OpenAI-Modelle machen nach Angaben von Cursor-Chef Michael Truell nur rund 5 Prozent des gesamten Cursor-Nutzer-Traffics aus.
OpenAI kündigt Vertrag nach SpaceX-Übernahme
OpenAI teilte mit, SpaceX über die geplante Beendigung des Vertrags informiert zu haben. Das Unternehmen nutzt nach eigenen Angaben die maximal mögliche Kündigungsfrist, damit Entwickler ihre bisherigen OpenAI-Modelle in Cursor zunächst weiterverwenden können.
Auslöser ist der Eigentümerwechsel bei Cursor. Nach der Übernahme durch SpaceX greift laut OpenAI eine Klausel im bestehenden Vertrag, die eine Kündigung innerhalb eines begrenzten Zeitraums nach einem Kontrollwechsel ermöglicht.
OpenAI schreibt dazu, dass man Cursor und dessen Team weiterhin großen Respekt entgegenbringe. Gleichzeitig sei man nach den bisherigen Erfahrungen mit Unternehmen von Elon Musk nicht ausreichend überzeugt davon, dass die eigene Technologie dauerhaft unter den vereinbarten Bedingungen eingesetzt werde.
OpenAI verweist auf frühere Vertragsverletzungen
OpenAI macht aus den Gründen für die Entscheidung ungewöhnlich wenig Geheimnis. Das Unternehmen verweist ausdrücklich auf frühere Erfahrungen mit Unternehmen von Elon Musk.
Nach der Übernahme von Twitter, heute X, seien Vertragsbedingungen verletzt worden. Auch xAI nennt OpenAI als Beispiel und verweist darauf, dass Musk selbst eingeräumt habe, dass xAI gegen OpenAI-Nutzungsbedingungen verstoßen habe.
Für OpenAI ist der Schritt deshalb offenbar nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern vor allem eine Frage der Kontrolle darüber, wie die eigenen Modelle künftig eingesetzt werden.
Künftige OpenAI-Modelle sollen nicht mehr zu Cursor kommen
Für Cursor-Nutzer dürfte weniger der öffentlich ausgetragene Konflikt zwischen Elon Musk und OpenAI entscheidend sein als eine andere Aussage.
OpenAI will zukünftige Modelle nicht mehr im Rahmen des bisherigen Vertrags an Cursor liefern.
OpenAI nennt dabei ausdrücklich sein kommendes Modell Astra. Mit steigenden Fähigkeiten zukünftiger Modelle wachse aus Sicht des Unternehmens auch die Verantwortung dafür, unter welchen Bedingungen diese eingesetzt werden.
Damit geht es nicht nur darum, dass eine bestehende Modellversorgung im November endet. Cursor könnte bei zukünftigen OpenAI-Modellen gegenüber anderen Entwicklungsumgebungen und Plattformen keinen direkten Zugang mehr über die bisherige Partnerschaft erhalten.
Cursor reagiert: OpenAI macht nur 5 Prozent des Traffics aus
Nur wenige Stunden nach der OpenAI-Ankündigung meldete sich Cursor-Mitgründer und CEO Michael Truell öffentlich zu Wort.
Truell erklärte, Cursor bedauere die Entscheidung von OpenAI. Gleichzeitig nennt er erstmals eine konkrete Zahl zur tatsächlichen Nutzung der OpenAI-Modelle innerhalb von Cursor.
Demnach entfallen derzeit lediglich rund 5 Prozent des gesamten Cursor-Nutzer-Traffics auf OpenAI-Modelle.
Das verändert die Einordnung der Auseinandersetzung deutlich. OpenAI gehört zwar zu den prominentesten Modellanbietern innerhalb von Cursor, die tatsächliche Nutzung scheint inzwischen aber deutlich geringer zu sein als noch in früheren Phasen des Produkts.
Für Cursor wäre ein vollständiger Wegfall der OpenAI-Modelle damit zwar sichtbar und für einzelne Nutzer durchaus relevant, gemessen an der gesamten Plattformnutzung offenbar aber kein existenzielles Problem.
Cursor und OpenAI sprechen bereits miteinander
Gleichzeitig ist die Trennung offenbar noch nicht endgültig besiegelt.
Michael Truell erklärte, dass Cursor derzeit mit dem OpenAI-Team spreche, um die Situation zu lösen.
Damit bleibt offen, ob die angekündigte Abschaltung am 12. November tatsächlich in der aktuell angekündigten Form stattfinden wird oder beide Unternehmen noch eine neue Vereinbarung finden.
Truell erinnert zudem daran, dass Cursor zu den sehr frühen Kunden von OpenAI gehörte und beide Unternehmen über Jahre eng zusammengearbeitet hätten.
Cursor habe sich dabei nach seinen Worten darauf verlassen, dass OpenAI als neutrale Infrastruktur für das eigene Geschäft fungiere.
Der Ton zwischen Cursor und OpenAI wird deutlich
Interessant ist dabei auch die unterschiedliche Darstellung beider Seiten.
OpenAI stellt die Entscheidung vor allem als Folge mangelnden Vertrauens gegenüber Unternehmen unter der Kontrolle von Elon Musk dar.
Cursor wiederum betont die jahrelange Zusammenarbeit und stellt heraus, dass OpenAI für den heutigen Betrieb von Cursor nur noch eine vergleichsweise kleine Rolle spielt.
Die Aussage, OpenAI-Modelle machten lediglich rund 5 Prozent des Nutzer-Traffics aus, dürfte dabei kaum zufällig gewählt worden sein. Sie sendet ein klares Signal: Cursor ist nach eigener Darstellung längst nicht mehr stark von OpenAI abhängig.
Cursor setzt zunehmend auf eigene und xAI-nahe Modelle
Die Entwicklung kommt nicht völlig überraschend. Cursor und SpaceX haben ihre Zusammenarbeit bei eigenen und eng mit dem Konzern verbundenen KI-Modellen bereits deutlich ausgebaut.
Cursor erklärte nach der SpaceX-Übernahme, künftig Zugriff auf enorme Rechenkapazitäten zu erhalten. Diese Infrastruktur soll dabei helfen, leistungsfähigere und zugleich kosteneffizientere Modelle für Coding und agentische Aufgaben zu entwickeln.
Gleichzeitig spielen Modelle aus dem xAI-Umfeld innerhalb von Cursor eine immer größere Rolle.
Cursor entwickelt sich damit zunehmend von einem Editor, der vor allem Modelle verschiedener Anbieter unter einer Oberfläche bündelt, zu einer Plattform mit stärkerer eigener Modellstrategie und engerer Verbindung zum SpaceX- und xAI-Ökosystem.
Was passiert am 12. November?
Nach aktuellem Stand sollen OpenAI-Modelle über die bestehende Vereinbarung noch bis zum 12. November 2026 in Cursor verfügbar bleiben.
Danach endet die direkte Bereitstellung im Rahmen dieses Vertrags.
Unklar bleibt allerdings, was das konkret für einzelne Cursor-Nutzer bedeutet.
Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen der direkten Bereitstellung innerhalb eines Cursor-Abonnements und einer möglichen Nutzung über eigene API-Zugänge oder alternative Schnittstellen.
Selbst wenn der bestehende Vertrag ausläuft, bedeutet das deshalb nicht zwangsläufig, dass OpenAI-Modelle technisch für immer aus Cursor verschwinden müssen.
Die zentrale Frage lautet vielmehr: Werden GPT-Modelle künftig weiterhin Bestandteil der Cursor-Abos sein – oder müssen Nutzer für OpenAI separat bezahlen?
Für Cursor-Pro-Nutzer wird es besonders interessant
Gerade für Nutzer von Cursor Pro, Pro+ und Ultra dürfte diese Frage wichtig werden.
Cursor hat seine Modellstrategie und Abrechnung zuletzt ohnehin stärker verändert. Gleichzeitig werden eigene beziehungsweise eng mit SpaceX und xAI verbundene Modelle immer stärker in den Mittelpunkt gestellt.
Die OpenAI-Kündigung könnte diesen Umbau zusätzlich beschleunigen.
Die neue 5-Prozent-Zahl zeigt zugleich, dass dieser Wandel offenbar schon deutlich weiter fortgeschritten ist, als viele Nutzer vermuten dürften.
Aus dem großen Bruch könnte noch ein Kompromiss werden
Der aktuelle Stand ist damit ungewöhnlich widersprüchlich.
OpenAI kündigt öffentlich an, den Vertrag mit Cursor zu beenden und zukünftige Modelle zurückzuhalten. Cursor antwortet wenige Stunden später, OpenAI mache ohnehin nur noch rund 5 Prozent seiner Nutzung aus – und bestätigt gleichzeitig laufende Gespräche mit OpenAI.
Damit ist die Geschichte noch nicht abgeschlossen.
Fest steht bislang nur: Der bestehende Vertrag soll am 12. November 2026 enden. Ob OpenAI und Cursor bis dahin doch noch eine neue Lösung finden, ist offen.
Für Cursor-Nutzer dürfte deshalb in den kommenden Wochen vor allem interessant werden, wie das Unternehmen seine Modell-Auswahl, die Auto-Funktion und die Leistungen der kostenpflichtigen Abos anpasst.
Quellen: OpenAI, Cursor / Michael Truell