OpenAI hat auf dem DevDay 2026 mehr als 20 Neuerungen vorgestellt. Das Auffällige daran ist weniger ein einzelnes neues Modell als die Richtung des gesamten Produkts: ChatGPT soll sich von einem Assistenten, den man aktiv öffnet und fragt, zu einer Arbeitsumgebung entwickeln, in der Agenten dauerhaft Aufgaben übernehmen.
Im Mittelpunkt stehen sogenannte Dots. Diese Agenten sollen kontinuierlich im Hintergrund arbeiten, verbundene Apps nutzen und längerfristige Verantwortung für Aufgaben übernehmen. OpenAI beschreibt sie als „always-on agents“, die sich merken, was einem Nutzer wichtig ist, und selbstständig weiterarbeiten können.
Dots laufen auf GPT-6 Astra und erhalten einen eigenen Cloud-Computer. Nutzer geben ihnen ein Ziel und legen fest, welche Aktionen sie selbstständig durchführen dürfen. Langfristig stellt sich OpenAI sogar Teams mehrerer Dots vor, die gemeinsam für einen Nutzer arbeiten. Verfügbar sind sie zunächst für Pro und Business Premium; Enterprise-, Education- und Healthcare-Umgebungen können die Beta nach Freigabe durch Administratoren testen. [oai_citation:0‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Der eigentliche Schritt ist nicht ein neues Modell
Die wichtigste DevDay-Ankündigung ist damit weniger GPT-6.1 Sol als die neue Arbeitsweise.
Bisher bedeutet die Nutzung eines KI-Assistenten meistens: App öffnen, Aufgabe stellen, auf eine Antwort warten. Dots sollen dieses Muster umdrehen. Ein Agent kann eine laufende Verantwortung bekommen und selbstständig weiterarbeiten, auch wenn der Nutzer gerade nicht mit ihm spricht.
Ein Dot könnte beispielsweise regelmäßig bestimmte Quellen beobachten, neue Informationen zusammentragen oder Daten analysieren und sich erst melden, wenn etwas relevant wird. OpenAI positioniert Dots damit deutlich näher an einem digitalen Mitarbeiter als an einem klassischen Chatbot. [oai_citation:1‡TechCrunch](https://techcrunch.com/2026/09/29/openai-launches-dots-its-bubbly-agentic-avatar/?utm_source=chatgpt.com)
Codex läuft jetzt dort, wo der Nutzer gerade nicht sitzt
Parallel baut OpenAI Codex zu einem deutlich unabhängigeren Entwicklungswerkzeug aus.
Codex kann künftig auf dem eigenen Rechner, aus der Cloud oder per Fernzugriff vom Smartphone verwendet werden. Wiederverwendbare Entwicklungsumgebungen speichern Konfigurationen und Berechtigungen, damit neue Aufgaben nicht jedes Mal von Grund auf eingerichtet werden müssen.
Für Entwickler verändert das den Workflow deutlich. Statt dauerhaft vor einer IDE zu sitzen, kann eine Aufgabe auf einem entfernten Rechner gestartet und später vom Smartphone kontrolliert werden. OpenAI hatte diese Art von Remote-Arbeit bereits vorbereitet; mit dem DevDay wird sie nun zu einem zentralen Bestandteil von Codex. [oai_citation:2‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Auch die Codex CLI wird erweitert. Aufgaben lassen sich per Sprache starten und steuern, mehrere Agenten können parallel über eine neue Ansicht verwaltet werden und Sessions sowie Worktrees sollen sich einfacher fortsetzen lassen. [oai_citation:3‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Code Review und Security laufen weiter, wenn der Laptop zu ist
Codex bekommt außerdem eine stärker automatisierte Review-Ebene.
In der ChatGPT-Desktop-App lassen sich Änderungen projektübergreifend prüfen, Diffs untersuchen und mögliche Probleme mit Codex besprechen. Automatische Reviews können in der Cloud laufen, während der Entwickler nicht am Rechner sitzt.
Mit Codex Security Cloud geht OpenAI noch weiter. Ganze GitHub-Repositories lassen sich auf Abruf oder regelmäßig prüfen. Neue Commits können automatisch untersucht, Funde zusammengeführt und konkrete Korrekturen vorbereitet werden. Auch diese Jobs laufen unabhängig vom lokalen Rechner. [oai_citation:4‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
GPT-6.1 Sol soll fast Astra-Niveau deutlich günstiger liefern
Auch auf Modellebene gibt es ein wichtiges Update. GPT-6.1 Sol ist laut OpenAI besonders auf agentisches Coding, Computerbedienung und professionelle Arbeit optimiert.
OpenAI spricht von einer Leistung nahe GPT-6 Astra, verlangt für Ein- und Ausgabe-Tokens aber nur ein Fünftel der regulären Astra-Preise. Das Modell soll damit besonders für lange Agenten-Workflows interessant werden, bei denen reine Modellkosten schnell entscheidend werden. [oai_citation:5‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Für besonders zeitkritische Aufgaben führt OpenAI zusätzlich eine neue Geschwindigkeitsstufe namens Ultrafast ein. In Codex sollen damit bis zu 300 Tokens pro Sekunde beziehungsweise bis zu achtmal höhere Generierungsgeschwindigkeiten möglich sein. In der API spricht OpenAI von bis zu sechsfacher Geschwindigkeit. GPT-6 Astra Ultrafast ist zunächst in der API sowie in ChatGPT Work und Codex für Pro 500 und Enterprise verfügbar. [oai_citation:6‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
ChatGPT Space wird zum gemeinsamen Arbeitsbereich
Mit ChatGPT Space versucht OpenAI gleichzeitig, ChatGPT stärker als Arbeitsplattform zu positionieren.
Teams können dort einen gemeinsamen Bereich anlegen, in dem Menschen, ChatGPT und Dots auf denselben Wissensstand zugreifen. ChatGPT kann Inhalte nach festgelegten Regeln organisieren und bisherige Arbeiten als Kontext für neue Aufgaben verwenden.
Spaces sind für Pro, Business und Enterprise vorgesehen. Lesen und Teilen soll bereits mobil funktionieren, während das vollständige Erstellen und Bearbeiten auf Smartphones später folgen soll. [oai_citation:7‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Dazu kommen sogenannte Pages: gemeinsam bearbeitbare Dokumente, in denen geschrieben, recherchiert, visualisiert und mit KI zusammengearbeitet werden kann. Auch Präsentationen sollen künftig direkt innerhalb von ChatGPT gemeinsam mit anderen Menschen und Agenten erstellt und anschließend als PowerPoint- oder Google-Slides-Datei exportiert werden können. [oai_citation:8‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Plugins werden ein Teil der Oberfläche
OpenAI öffnet außerdem die interne Plugin-Plattform stärker für externe Entwickler.
Plugins können künftig einen eigenen Platz in der Seitenleiste erhalten und interaktive Oberflächen direkt neben einer Unterhaltung bereitstellen. Auch eigene Dateiansichten sind möglich.
Mit Unterstützung für MCP Events können Plugins zusätzlich auf Ereignisse reagieren. Ein neues Element auf einem Projektboard könnte beispielsweise automatisch einen Workflow starten, Dokumente einlesen und einen Plan vorbereiten, ohne dass ein Nutzer ChatGPT vorher aktiv öffnen muss. [oai_citation:9‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Das ist ein wichtiger Schritt, weil sich dadurch Dots, Plugins und Automatisierungen kombinieren lassen. ChatGPT wird damit zunehmend zu einer Schicht zwischen verschiedenen Anwendungen, statt nur ein eigenständiges Chatfenster zu bleiben.
ChatGPT-Nutzung wandert in andere Produkte
Ebenfalls interessant ist „Sign in with ChatGPT“.
Nutzer können ihre ChatGPT-Anmeldung künftig für externe Produkte verwenden. Noch wichtiger: Bei teilnehmenden Partnern kann auch ein Teil des eigenen ChatGPT-Nutzungskontingents verwendet werden.
OpenAI nennt zum Start 16 Partner, darunter Devin, Notion, Vercel, T3, OpenClaw und Dactyl. Nutzer können festlegen, wie viel ihres Kontingents einzelne Dienste verbrauchen dürfen. [oai_citation:10‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Damit verschwimmt die bisher klare Grenze zwischen ChatGPT-Abo und API weiter. Ein Abonnement bezahlt künftig nicht mehr ausschließlich die Nutzung innerhalb von ChatGPT, sondern kann auch als Kontingent für externe KI-Produkte dienen.
Und dann gibt es plötzlich ein Pro 500
Nur wenige Stunden nachdem OpenAI Änderungen beim bisherigen 200-Dollar-Pro-Tarif angekündigt hatte, folgt nun eine weitere Tarifstufe.
Pro 500 kostet 500 Dollar pro Monat und soll das höchste Nutzungskontingent bieten. OpenAI beziffert es auf das 25-Fache des ChatGPT-Plus-Kontingents. Zusätzlich ist Ultrafast enthalten. [oai_citation:11‡OpenAI](https://openai.com/index/devday-2026-recap/)
Damit wird deutlicher, wie OpenAI seine Abonnements künftig staffeln möchte. Der klassische Pro-Tarif bleibt das Paket für intensive Nutzung und neue Agentenfunktionen. Wer noch mehr Compute und maximale Geschwindigkeit benötigt, landet nun bei Pro 500.
Das erklärt auch teilweise die zuvor angekündigte Änderung am 200-Dollar-Tarif: OpenAI trennt stärker zwischen normaler Premium-Nutzung, dauerhaft laufenden Agenten und besonders teurer Hochleistungsnutzung.
Die Grenze zwischen Chatbot und Betriebssystem wird unscharf
Der DevDay 2026 wirkt deshalb weniger wie eine klassische Sammlung neuer KI-Features als wie der Versuch, eine neue Produktkategorie zu etablieren.
Dots arbeiten dauerhaft. Codex arbeitet weiter, wenn niemand vor dem Rechner sitzt. Plugins reagieren auf Ereignisse. Spaces speichern gemeinsamen Kontext. Pages und Slides werden direkt innerhalb von ChatGPT bearbeitet. Externe Anwendungen können sogar das ChatGPT-Nutzungskontingent verwenden.
Das Muster dahinter ist ziemlich eindeutig: Der Nutzer soll nicht mehr für jede Aufgabe ein einzelnes KI-Fenster öffnen.
Stattdessen soll ChatGPT zu einer Umgebung werden, in der Menschen, Agenten und externe Anwendungen kontinuierlich miteinander arbeiten.
Der vielleicht wichtigste Begriff des DevDay ist deshalb nicht GPT-6.1 Sol und auch nicht Pro 500.
Es ist „always-on“.
Wenn OpenAI diese Idee tatsächlich zuverlässig umsetzen kann, verändert sich die Rolle von ChatGPT fundamental: vom Werkzeug, das auf einen Prompt wartet, zu einem System, dem man Verantwortung überträgt.